Glossar
Glossar Wärmebehandlung & Industrieöfen
Zentrale Begriffe der industriellen Wärmebehandlung und der Ofentechnik – präzise und verständlich erklärt. Dieses Glossar bündelt die wichtigsten Verfahren, Normen und Fachbegriffe rund um Industrieöfen.
Die industrielle Wärmebehandlung umfasst eine Vielzahl von Verfahren, Normen und Fachbegriffen. Dieses Glossar erklärt die zentralen Begriffe rund um Industrieöfen, Wärmebehandlungsprozesse und die zugehörige Qualitätssicherung – kompakt und für die Praxis verständlich.
- Anlassen
- Anlassen ist das Wiedererwärmen eines zuvor gehärteten Werkstücks auf eine Temperatur unterhalb der Umwandlungstemperatur (typisch 150–700 °C), um Sprödigkeit und Eigenspannungen zu reduzieren und die Zähigkeit gezielt einzustellen. Es ist der zweite Schritt nach dem Härten.
- Härten
- Härten bezeichnet das Erwärmen von Stahl auf Austenitisierungstemperatur mit anschließendem schnellem Abschrecken, um ein hartes Martensitgefüge zu erzeugen. Ziel ist eine höhere Härte und Verschleißfestigkeit.
- Glühen
- Glühen ist eine Wärmebehandlung zum Einstellen eines weichen, spannungsarmen Gefügezustands. Je nach Ziel unterscheidet man u. a. Weichglühen, Normalglühen, Spannungsarmglühen und Rekristallisationsglühen.
- Sintern
- Sintern ist das Verdichten und Verbinden von Pulverpresslingen (Metall oder Keramik) bei Temperaturen unterhalb des Schmelzpunkts. Durch Diffusionsvorgänge entsteht ein fester, belastbarer Werkstoffverbund.
- Karburieren (Aufkohlen)
- Karburieren ist das Anreichern der Randschicht eines Stahlbauteils mit Kohlenstoff bei 880–1000 °C in kohlenstoffabgebender Atmosphäre. Nach dem Abschrecken entsteht eine harte, verschleißfeste Oberfläche bei zähem Kern.
- Abschrecken
- Abschrecken ist das schnelle Abkühlen eines erwärmten Werkstücks in Luft, Öl, Wasser oder Polymerlösung, um ein hartes Gefüge einzufrieren. Das Abschreckmedium bestimmt Abkühlgeschwindigkeit und Verzug.
- Trocknen
- Trocknen ist der thermische Entzug von Feuchtigkeit oder Lösungsmitteln aus einem Material durch kontrollierte Wärmezufuhr und Luftumwälzung, meist im Niedertemperaturbereich bis etwa 300 °C.
- Vorwärmen
- Vorwärmen ist das gezielte Erwärmen von Bauteilen vor einem nachgelagerten Prozess (z. B. Schweißen, Umformen oder Beschichten), um thermische Spannungen und Rissbildung zu vermeiden.
- Temperaturgleichmäßigkeit (TUS)
- Der Temperature Uniformity Survey (TUS) ist die genormte Vermessung der Temperaturverteilung im Nutzraum eines Ofens. Er weist nach, dass die Ist-Temperatur an allen Messpunkten innerhalb der zulässigen Toleranz liegt.
- System Accuracy Test (SAT)
- Der System Accuracy Test (SAT) vergleicht die Anzeige des betrieblichen Temperatur-Mess- und Regelsystems mit einem rückführbaren Referenzsystem. Er ist Bestandteil der Pyrometrie-Normen wie AMS2750 und CQI-9.
- CQI-9
- CQI-9 ist der von der AIAG herausgegebene Standard zur Bewertung von Wärmebehandlungsprozessen in der Automobil-Zulieferkette. Er definiert Anforderungen an Prozesssteuerung, Pyrometrie (TUS/SAT) und Dokumentation.
- AMS2750
- AMS2750 ist die in der Luft- und Raumfahrt maßgebliche Pyrometrie-Norm. Sie regelt Temperaturmessung, Kalibrierung, Prüfgeräte sowie TUS und SAT für Wärmebehandlungsanlagen.
- DGUV-3-Prüfung
- Die DGUV-Vorschrift-3-Prüfung (früher BGV A3) ist die in Deutschland vorgeschriebene wiederkehrende Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen und Betriebsmittel nach DIN VDE 0100-600, in der Regel jährlich.
- Schutzgasatmosphäre
- Eine Schutzgas- oder Inertgasatmosphäre (z. B. Stickstoff, Argon, Wasserstoff oder Formiergas) verhindert während der Wärmebehandlung Oxidation und Entkohlung der Werkstückoberfläche.
- Vakuumofen
- Ein Vakuumofen führt die Wärmebehandlung unter reduziertem Druck durch. Das Vakuum verhindert Oxidation, ermöglicht blanke Oberflächen und ist für reaktive Werkstoffe sowie Hochtemperaturprozesse geeignet.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Härten und Anlassen?
Härten erzeugt durch Erwärmen und schnelles Abschrecken ein hartes, aber sprödes Gefüge. Anlassen ist der anschließende zweite Schritt: erneutes Erwärmen unterhalb der Umwandlungstemperatur, um Sprödigkeit abzubauen und die gewünschte Zähigkeit einzustellen.
Was bedeuten TUS und SAT bei der Wärmebehandlung?
Der TUS (Temperature Uniformity Survey) misst die Temperaturverteilung im Ofennutzraum, der SAT (System Accuracy Test) prüft die Genauigkeit des Mess- und Regelsystems. Beide sind Pflichtbestandteile von Pyrometrie-Normen wie AMS2750 und CQI-9.