Anwendung
Glühen
Gefügeverbesserung und Eigenspannungsabbau für bessere Verarbeitbarkeit
Glühbehandlungen sind universell einsetzbare Wärmebehandlungsverfahren zur gezielten Veränderung des metallischen Gefüges. Je nach Ziel (Entfestigung, Kornverfeinerung, Eigenspannungsabbau oder Rückgängigmachen von Kaltverfestigung) unterscheiden sich Temperatur, Haltezeit und Abkühlrate erheblich.
NTH Therm liefert Kammeröfen und Herdwagenöfen mit präzisen Temperatursteuerungen und programmierbaren Abkühlrampen für alle gebräuchlichen Glühverfahren.
Glühverfahren im Vergleich
| Verfahren | Temperatur | Ziel |
|---|---|---|
| Normalglühen | 800–950 °C | Kornverfeinerung, gleichmäßiges Gefüge |
| Weichglühen (GKZ) | 680–860 °C | Maximale Zerspanbarkeit, sphäroidische Karbide |
| Spannungsarmglühen | 450–650 °C | Eigenspannungsabbau ohne Gefügeänderung |
| Rekristallisationsglühen | 500–750 °C | Rückgängigmachen von Kaltverfestigung |
| Diffusionsglühen | 1000–1200 °C | Homogenisierung von Seigerungen |
Typische Werkstoffe und Bauteile
- Kohlenstoffstähle und niedriglegierte Stähle nach Umformen, Schweißen oder Schmieden
- Kaltgewalzte Bänder und Bleche (Rekristallisationsglühen)
- Schweißkonstruktionen, Gussteile, Gesenkschmiedeteile (Spannungsarmglühen)
- Werkzeugstähle vor der Weiterbearbeitung (GKZ-Glühen)
Empfohlene NTH Therm Ofensysteme
- Kammerofen ICO: Umluft bis 750 °C, für Spannungsarmglühen und Rekristallisationsglühen
- Kammerofen ICF: bis 1300 °C, für Diffusionsglühen und hochlegierte Stähle
- Herdwagenofen IWF / IWO: für großformatige Schmiedeteile, Schweißkonstruktionen und Gussteile
- Haubenofen: für Coils, Rollen und Stapelchargen
Häufige Fragen
Was sind die häufigsten Glühverfahren in der Metallverarbeitung?
Die gebräuchlichsten Verfahren sind: Normalglühen (Kornverfeinerung, 800–950 °C), Weichglühen (maximale Zerspanbarkeit, 680–860 °C), Spannungsarmglühen (Eigenspannungsabbau, 450–650 °C) und Rekristallisationsglühen (Rückgängigmachen von Kaltverfestigung, 500–750 °C).
Warum ist eine kontrollierte Abkühlrate beim Glühen wichtig?
Zu schnelles Abkühlen kann neue Eigenspannungen erzeugen oder ungewünschte Phasen stabilisieren. Beim Weichglühen ist eine sehr langsame Ofenabkühlung (< 20 K/h) nötig, um die Karbide vollständig in die Sphäroidform zu überführen.
Kann Glühen auch unter Schutzgas durchgeführt werden?
Ja. Insbesondere für blanke oder vorbehandelte Oberflächen empfehlen wir Schutzgasglühen unter N₂ oder H₂. NTH Therm rüstet entsprechende Kammeröfen auf Anfrage mit einer Atmosphärensteuerung aus.